Mittwoch, 20. Juli 2011

Vom ePubber zum Autor - Der eBook-Markt braucht professionelle Qualität

Wer sich professionell mit dem eBook-Markt beschäftigt, landet ganz schnell auch im Reich des Selfpublisher. eBooks ziehen Verfasser, die bisher keinen Verlag (für sich gewonnen) haben, wegen der scheinbar niedrigen Initialkosten für die Veröffentlichung, hohen Honorarsätzen sowie dem "einfachen" Vertriebssystem magisch an. In den deutschen eBook-Shops erkennt man deren Werke oft an der optisch wenig ansprechenden Titelgestaltung.

Hobby-Schriftsteller, die ausschließlich digital veröffentlichen, nenne ich "ePubber". Es gibt bei Amazon schon diverse (gute und sehr schlechte) Ratgeber, wie ePubber ohne Profiunterstützung eBooks publiziert können. Die Nachfrage wächst ständig. ePubbing ist eine wachsende Freizeitbeschäftigung.


Gegen Selfpublishing im eBook-Format möchte ist nichts sagen. Ich selbst mache das - testweise und mit viel Vergnügen. Allerdings ist es an der Zeit, die Euphorie für das Thema ePubbing zu relativieren ("Get rich & famous"). Noch ist der Digitalbuch-Markt in Deutschland sehr klein (ca. 0,5 - 1 % vom Gesamtbuchmarkt). Täglich nur ein paar verkaufte Exemplare bei Amazon reichen aus für ein gutes Sales-Ranking. Das schmeichelt dem Ego und ist ein hilfreicher Markttest für Themen, füllt aber nicht den Geldbeutel (und macht nicht berühmt). Wir brauchen in Europa noch etliche Monate, bis es genug eBook-Käufer und -Leser gibt. Aus meiner Sicht ist es keine Frage, dass eBooks gedruckte Bücher und Buchläden verdrängen werden. Der Blick nach USA zeigt das. Aber Freizeit-Schriftsteller, die jetzt ausschließlich auf ePubbing (und einen Händler wie Amazon) setzten, machen aus meiner Sicht große Gedankenfehler. Wer gute Inhalte produziert, sollte alle Veröffentlichungswege in Betracht ziehen und versuchen zu nutzen. Das überfordert ePubber ganz erheblich! Auch die Qualität bleibt auf der Strecke. Ärgerlich wäre es zudem, wenn ePubber (vielleicht aus Enttäuschung über Ablehnungen) jetzt Front gegen die Verlage machen. So werden Chancen verschenkt, die Leser zu erreichen. Ich bitte daher ePubber das Folgende in die eigene Gedankenwelt zu übernehmen.

Verlage machen drei wichtige Dinge: a) Sie legen vor, d.h. sie investieren und finanzieren ausgewählte Buchprojekte (Herstellung etc.) b) Sie veredeln professionell einen Text (Lektorat & Layout) c) Sie vertreiben und verkaufen. Verlage sind keine Schmarotzer, sondern wirtschaftlich agierende Dienstleister. Sie orientieren sich am Bedarf ihrer zahlenden Kunden (Handel & Leser). Und damit kommt die vierte Funktion ins Spiel, nämlich die fachkundige Begleitung des Autors. Der Verlag braucht zum Überleben gute Autoren, die Erfolg versprechen und die Kundenbedürfnisse erfüllen.

Ich sage es unmissverständlich: 

1. ePubber, die keinen Verlag für ihre Werke begeistern können, werden dort nicht als nutzbringend im Sinne der Kundschaft dieser Verlage eingeschätzt. Solche Einschätzungen können falsch sein. Das ist erfahrungsgemäß eher die Ausnahme als die Regel. 

2. Wer einen Verlag gefunden hat, wird in meinen Augen von ePubber zum Autor. 

Und Autoren, die bereits gute Inhalte produziert haben, sollten unbedingt alle Veröffentlichungswege in Betracht ziehen und nutzen. Falls der "eigene" Verlag bei eBook-Veröffentlichungen nicht mitzieht oder wenn die Honorare nicht stimmen, empfehle ich einen Verlagswechsel. Besser ein anderer Verlag als kein Verlag!

Die Zukunft liegt im eBook-Geschäft. Auch dort wird sich Qualität durchsetzten. Und dazu braucht es gute Autoren und Verlage.

Maximilian Buckstern



"Maximilian Buckstern" ist das Pseudonym eines deutschen Buch- und Zeitschriften-Profi. Er arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Medienbusiness, davon über zehn Jahre als Geschäftsführer von unterschiedlichen Verlagen. Als Verfasser von Sachbüchern (siehe http://dld.bz/buckstern_amhttp://dld.bz/buchleitner_am) unter verschiedenen Namen sammelt und teilt er eBook- und Social Media-Erfahrungen. Buckstern lebt und arbeitet in Süddeutschland.

Kommentare:

  1. Recht hast Du, lieber Max. Verlage leisten Großartiges, und das auf Verdacht (besonders bei Erst-Autoren wie bei mir, da ist meinem Verlag Piper gar nicht genug zu danken!). Sie investieren viel mehr in neue Ideen, als das andere Branchen tun. Allerdings ist das eBook-Thema zu faszinierend für aufgeschlossene Autoren, es nicht auch mal zu versuchen. Ich habe nun ein eBook auf Kindle veröffnentlicht und muss mit Karl Valentin sagen: "Kunst ist schön, aber sehr anstrengend." Besonders, wenn man alles alles alles selbst machen muss. Aber, man will ja nicht wie der katholische Pfarrer vom Kindermachen reden, und daher empfehle ich jeder/m in dieser wunderbaren Branche: Macht es doch einmal selbst (unter Pseudonym, meinetwegen), um hautnah mitzuerleben, wie das geht. Und, um später mal sagen zu können: "Ich war ganz am Anfang dabei!" Beste Grüße, Marc

    AntwortenLöschen
  2. Es wird in Zukunft auch ein massives "Autoren"sterben geben oder sogar die Trennung von Spreu und Weizen durch unterschiedliche Kriterien. Man sollte sich beim Self Publishing nichts vormachen: Man wird selbst zum Verleger. Der Kampf ums Gesehenwerden und Überleben ist in der Self Publishing Szene allerdings ungleich größer...

    AntwortenLöschen
  3. Mich erinnert der Essay stark an an Max Goldt über den Satz "berlin ist eine Weltstadt". Wer so Banales wie "Verlage sind keine Schmarotzer,..." betonen muss, hat dafür einen triftigen Grund.
    So wie berlin eben IMHO eben garade durch diese Behauptung keine Weltstadt ist...

    AntwortenLöschen
  4. a) wenn man den Beitrag über g+ anzeigt kann man nicht kommentieren - es gibt einen recht versteckten Hinweis "webversion anzeigen", der diese Seite hier öffnet.. dürfte der Kommentierfreudigkeit kaum Vorschub leisten.

    @Thomas Fügner: Sie sollten sich die Lage in der Branche bzw. die Lage im Lager derer, die gern zur Branche gehören würden anschauen, bevor Sie schlau daher weltstädtern.

    @M. Buckstern: auf der einen Seite große Zustimmung bzgl. des Rufes nach Qualität im ePublishing, auch wenn Sie einen echten ePubber damit von nichts abhalten werden. Noch ist der Verlagswesen in Dland extrem etabliert und es sind in einer Hand abzählbare Ausnahmeerscheinungen und Projekte, die von Autoren (ja!) ohne Verlag umgesetzt wurden und einen entscheidenden Leserkreis fanden. Entscheidend meint hier: angemessen, denn ein Buch über eine seltene Infektionskrankheit verkauft sich nicht schlechter, doch aber i.d.R. seltener als ein Bergdoktorschmöker. Zum Autor wird man im Moment der Autorenschaft, zum Schriftsteller im Moment des Einflusses auf öffentliche Geistesbewegung, aber da würde ich mit mir streiten lassen - woran mir eigentlich liegt: es gibt nicht nur zwei Seiten! Es gibt nicht nur die ePubber und die Autoren mit Verlag sondern darüber hinaus eine Vielzahl von Möglichkeiten, mittels Agenturen und eSpezialisten sowohl eine breit aufgestellte MarketingSzenerie zu betreten/zu nutzen als auch in puncto Vertrieb mit Expertise unterstützt zu werden. Dieses Bindeglied ist neu und noch nur unwesentlich erprobt, aber das ist nicht verwunderlich in einer wenige Jahre alten Branche - EPUBLI und Chichilii Agency verstehen sich genau so und weitere werden folgen.. Am Ende entscheiden Leser, wer Autoren sind, nicht verlage - oder?

    AntwortenLöschen
  5. @katja splichal: Der Satz gefällt mir ganz besonders: "Zum Autor wird man im Moment der Autorenschaft, zum Schriftsteller im Moment des Einflusses auf öffentliche Geistesbewegung...". Diese Woche hatte ich eine interessante Diskussion mit einen Kollegen, also einem Verlagsgeschäftsführer, der (zu Recht) der Meinung ist, dass die meisten ePubber eigentlich Verlagsautoren und Schriftsteller sein möchten. Agenturen wie EPUBLI etc. können dieses Gefühl, bei einem "echten" Verlag zu sein, nicht bieten. Und sie geben den ePubbern keinen (wirksamen) Vertrieb in den stationären Buchhandel. Solange Buchläden in DACH noch Bedeutung haben, sind diese Agenturen keine starke Alternative zu etablierten Verlagen. Mein Befürchtung ist, dass viele Verlage die eBook-Entwicklung verpennen und dadurch am Markt an Bedeutung verlieren. Verlage mit Zukunftspotential sind m.E. im Kommunikationsmarkt medienneutrale Anbieter + tatkräftige Dienstleister.

    AntwortenLöschen
  6. Generell spielt es natürlich in die Hände großer Publikumsverlage, wenn die Unterscheidung zwischen Verlagsautore und "ePubber" getroffen wird. Ich würde das bitteschön ablehnen. Es gibt "gute" Texte oder eben schlechte Texte. Wobei man über gut oder schlecht immer streiten kann. Worüber man nicht streiten kann, sind die Verkaufszahlen. Falls sich also ein "epubber" blenden verkauft, kommt ein Publikumsverlag und bietet ihm einen Vertrag an. War nun der Text, den er vor dem Vertrag geschrieben hat, mäßig? Wohl kaum.

    Verlage sind bis dato Gatekeeper gewesen. Sie haben gefiltert. Das kann gut sein. Das kann weniger gut sein. In Zukunft könnten Medien und Multiplikatoren zu Gatekeepern werden, in dem sie Indie-Books gandenlos bewerten und so die Spreu vom Weizen trennen.

    Und bitte: auch ein Indie-Autorenverleger kann seinen Text veredeln, in dem er Lektorat und Korrektorat zukauft, analog eines Verlages.

    AntwortenLöschen
  7. Das Thema Qualität ist ein höchst problematisches und letztlich wird sich hier entscheiden, ob den Verlagen eine Zukunft bestimmt ist. Obwohl die allermeisten Verlage keine Marke gebildet haben und dies auch nicht können (etwa im Bereich der Belletristik)ist allein die Tatsache, dass ein halbwegs bekannter Verlagsname hinter dem Produkt steht, für viele Leser eine Zusicherung bestimmter Leistungen.
    Besonders im Sach- und Fachbuchbereich beobachte ich allerdings die Tendenz, dass Verlage sich aus ihrer Rolle als Qualitätsgaranten davonstehlen, in dem sie z.B. ein Lektorat verweigern, das über die bloße Korrektur von Ortographie und Grammatik hinausgeht. Dadurch wird das Kundenvertrauen nachhaltig geschädigt.
    Es wird für Selbstverleger weiterhin schwierig bleiben, ihre Bücher im stationären Buchhandel anbieten zu können. Diesen NAchteil kann allerdings das Netz mit seinen Verkaufsplattformen mittelfristig durchaus wettmachen. Und: Im Netz konkurriert Tante Berta mit ihrem Ratgeber "Richtig stricken" hierarchisch ebenbürtig mit dem Ratgeber zum gleichen Thema aus Verlag xyz. Falls der Verlag seine Qualitätssicherungsfunktion nicht eindeutig unter Beweis stellen kann, gibt es für den Kunden keinen Grund, nicht zum Ratgeber von Tante Berta zu greifen.
    Ein letztes Argument: Ich räume gerne ein, dass derzeit die Verkaufszahlen für deutschsprachige Ebooks keinen Anlass dazu geben, die Verlage zum AUslaufmodell zu erklären. Aber für Autoren wie mich, die vom Schreiben leben, ordentliches Handwerk liefern und von den Verlagen dafür immer unordentlicher honoriert werden, möchte das Liebäugeln mit dem Selbermachen doch gestattet sein.

    AntwortenLöschen
  8. Ähnlich wie die inzwischen längst zugunsten des Netzes abgeschlossene Auseinandersetzung zwischen „richtigen“ Journalisten und „Möchtegernjournalisten“ im Netz, beginnt jetzt die Diskussion um „richtige“ Autoren und um „Hobbyschriftsteller“. – Was steckt dahinter? Etablierte Verleger möchten ihre Geschäftsgrundlagen sichern und diskriminieren den Nachwuchs als spät pubertierende „E-Pubber“. (Ich vermute, dass Du dies nicht diffamierende gemeint hat, die gewählte Diktion offenbart aber die tief schlummernden Vorurteile eines etablierten Verlagsgeschfätsführers.)

    Viele Verlage fürchten die Macht der E-Book-Autoren, weil diese nicht mehr höflich warten, bis sie „entdeckt“ werden sondern selbst aktiv werden. Das tatsächlich Faszinierende an der aktuellen Entwicklung ist nämlich, dass die bislang häufig missbrauchte Schlüsselgewalt der etablierten Verlage zum Buchmarkt gebrochen wird. Nur so konnte es zu den jüngsten Erfolgen von Hocking, Locke und vielen anderen kommen.

    In der Diskussion geht es nun nicht darum, das gedruckte Buch zu verdrängen, sondern die Bewertungskompetenz der Verlage in Frage zu stellen. Jetzt entscheiden nicht mehr Lektoren göttergleich über die Qualität eines Autors, jetzt entscheidet das Publikum. Das ist Herausforderung und Chance zugleich.

    Ich promote als „alter Hase“ die Idee des E-Books, weil ich darin die historische Chance sehe, dass die bislang häufig missbrauchte Schlüsselgewalt der etablierten Verlagen zum Buchmarkt gebrochen wird. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht an schön gedruckten Büchern erfreuen kann (jetzt muss man schon mit Disclaimer arbeiten) und diese übrigens auch sammele.

    AntwortenLöschen
  9. Der Blogeintrag erscheint mir doch sehr einseitig. Selfpublisher kommen hier ziemlich schlecht weg, währenddessen die Verlage in die Höhe gelobt werden.

    Mein multimediales eBook "Der Erbe der Zeit" verkauft sich im App-Store besser als jeder andere Roman von Heyne, Piper, Carlsen, Egmont Lyx und und und... Doch trotz der über 4000 verkauften Exemplare zu einem Durchschnittspreis von 6.99€ und vieler Fanbriefe konnte ich keinen großen Verlag überzeugen das Buch ins Programm aufzunehmen.

    http://itunes.apple.com/de/app/der-erbe-der-zeit-der-letzte/id420460468

    Zwar wurde ich von vielen Großen der Branche auf einen Cafe eingeladen, mir scheint jedoch, das ich dabei nur ausgehorcht wurde. Offensichtlich wollten die entsprechenden Agenturen und Verlage einfach nur mal die aktuelle Lage im eBook-Markt abchecken. Wenn man hier nicht von einem Defizit der Verlage sprechen kann, dann weiß ich auch nicht. Einen Vorteil hat es jedoch, auf diese Weise bin ich viel Näher am Leser dran. Von daher liebe ich mein Selfpublisherdasein oder wie manche es ein wenig abwertend nennen wollen ePup(p)er Dasein. :)

    Gruß,

    -Christoph

    AntwortenLöschen
  10. Ein "echter" Verlag kann guten Vertrieb auch nur bedingt bieten. Wir wissen alle, dass z.B. in Publikumsverlagen nur noch Spitzentitel ausreichend beworben werden, den Rest nennt man in der Branche freundlich "Altpapiertapete" - entweder es wird gleich durch Zufall ein Erfolg oder es wird ganz schnell verramscht, stützt aber thematisch die Bestseller. Ich kenne einige Kollegen in Konzernverlagen, die ihre Verkaufszahlen auch selbst erreichen könnten.

    Kommt hinzu, dass viele - und nicht die schlechtesten - Verlage nicht in den Buchhandelsketten angenommen werden. Nicht weil die Bücher oder die Verlage schlecht sind, sondern weil sie die Riesenrabatte nicht stemmen können / wollen oder zu klein sind. Da die Ketten aber alles monopolisieren, haben es diese Verlage - und ihre AutorInnen - extrem schwer!

    Sicher, der Buchhandel ist noch unverzichtbar, um nennenswerten Umsatz zu machen. Aber diese Schiene wird genau für das Heer von Verlagsautoren fragwürdig, die nicht so automatisch in den Stapeln an der Kasse liegen und trotz Verlag unsichtbar bleiben, trotz Verlag selbst die Werbetrommel rühren müssen. Und es spielt eher in der Belletristik eine Rolle. Im Sachbuch, bei Nischenthemen, liegt der Markt manchmal ganz woanders.
    Je nach Buchart und Thema können Autoren heutzutage sehr viel gezielter an Spezialpublikum herankommen.

    Übrigens gefällt mir die Welteinteilung in "echte" Autoren, minderwertige E-pubber und gar hehre Schriftsteller überhaupt nicht, das ist so urdeutsch und überflüssig wie die Diskussion um E und U. Sagt eine mit selbstgebastelter Eigenproduktion, mit Verlagen wie Hanser und mit staatlichem Schriftstellerprüfsiegel aus dem Ausland (ohne öffentliche Geistesbewegung) in Personalunion.

    Ein Buch muss überzeugen und seine Leser finden. Ob der Autor ein echter oder ein gewollter ist, interessiert die Leser außer vllt. bei Fachthemen nicht die Bohne.

    AntwortenLöschen
  11. Aus meiner (Verlagsgeschäftsführer-) Sicht muss in der Diskussion ein Faktor berücksichtigt werden, der für Medienhäuser sowie (freie) Textschaffende von großer Bedeutung ist: eBooks sind "paid contend", also echte Digitalware, für die Geld verlangt wird. Und die Leser sind bereit zu kaufen. Hurra. Endlich! Es funktioniert also doch digitale Inhalte zu verkaufen.
    Seit Mitte der 1990er Jahre haben wir Verlage "nur" gegen den Gratis-Content im Web gekämpft. Wir konnten immer (stolz) behaupten, dass bezahlter Content, wegen der professionellen Auswahl (Gate Keeper!) + soliden Bearbeitung qualitativ besser sein muss. Jetzt treten verstärkt ePubber mit ihrem (teils guten) paid content direkt gegen die Verlage an. Ein Blick in die eBook-Verkaufsranglisten zeigt auch noch, dass manche Erfolg haben und viele das Preisgefüge "verderben". Wundert es Euch ePubber + Selfpublisher da, dass wir Verlage nicht begeistert sind? Schließlich geht es auch um Arbeitsplätze. Nicht falsch verstehen: Ich will keine Klagemauer aufstellen!
    Jetzt, wo endlich für die Medienhäuser ein Silberstreif an Paid-Content-Horizont auftaucht, setzt sich eine Armee von Idealisten, Hobbyisten, Abenteurern, Glücksrittern und auch Textprofis in Marsch, um für sich Anteile im Buchmarkt zu erobern. Wird es zum Krieg kommen? Wird man sich verbünden (auch zum Nutzen der Leser)? Oder gibt es friedliche Koexistenz? Das ist für mich die zentrale Frage.
    Für mich als Verlagsmann, der parallel eigene ePubbing-Erfahrungen sammelt, scheint es so, dass die Leser zu den Gewinnern dieser Auseinandersetzung zählen werden. Das Angebot wächst, die Preise sinken, es gibt Innovation (!) und der Gesamtmarkt wird kundenfreundlicher. Die Digitalisierung und strukturelle Veränderung wird für viele Medienhäuser aum Fiasko. Wer das als Manager in seinem Laden abwenden will, muss eine Schumpetersche Zerstörung realisieren. Und auch das tut verdammt weh. Ich weiss genau wovon ich rede, weil ich seit über 10 Jahren im Mediensektor Restrukturierungen und Change-Management mache.
    Vielen Verlagen wird dazu die Einsicht und die Kraft (Innovation & Ressourcen) fehlen. Das spielt in die Hände großer bzw. innovativer Gruppen (Evolution!). Die Verlagsszene wird sich stark verkleinern. Die Risikofreude, unbekannte Autoren unter Vertrag zu nehmen, wird abnehmen. Und damit wird das Heer der ePubber anwachsen. ;-)

    AntwortenLöschen
  12. Ich wurde vom Verfasser dieses Beitrags via Kommentar auf meiner Newsseite gebeten, den dort von mir hierzu verfassten Rant an dieser Stelle nochmals zusammenzufassen, um in die Diskussion einzusteigen. Diese Zusammenfassung ist mir momentan aus Zeitgründen leider nicht möglich, ich spendiere aber gern den Link zum Artikel. Wo dann letztlich diskutiert wird ist mir relativ gleich... :)

    Der Link zum Artikel mit dem Titel "Rant: Der eBook-Markt braucht professionelle Qualität?" lautet:

    http://phantanews.de/wp/2011/07/aartikel/rant-der-ebook-markt-braucht-professionelle-qualitat/

    AntwortenLöschen
  13. Für mich als veröffentlichte Autorin (Rowohlt, Aufbau) bietet das ePubbing insofern interessante Alternativen, dass ich Projekte, die die großen Verlage ablehnen, für die ich jedoch durchaus eine Leserschaft sehe (die vielleicht nicht ganz so groß ist, wie die meiner gedruckten Bücher), selbst umsetzen kann. Natürlich bedeutet das eine Menge Arbeit zusätzlich, denn nur ein Buch als Ebook veröffentlichen, reicht natürlich nicht aus. Aber Buchprojekte, an denen ein Autor mit Herzblut hängt, die aber von den großen Konzernen als nicht rentabel genug angesehen werden, einfach in der Schublade verschimmeln zu lassen, kann ja auch nicht die Lösung sein. Natürlich muss man Qualität liefern. Die wird sich durchsetzen. Die Leser merken sehr schnell, ob ein Autor sein Handwerk versteht, und werden, wenn dem nicht so ist, sein nächstes Ebook nicht mal "mit der Kneifzange anfassen". Damit dürfte sich mittel- und langfristig die Spreu vom Weizen trennen - wie überall sonst auch.

    AntwortenLöschen
  14. @Petra Schier, dem was Du sagt, kann ich absolut zustimmen. ePubbing ist sehr gut, um mehr zu veröffentlichen oder um "neue" bzw. andere Leser zu erreichen. Jeder Autor sollte seine Schubladen öffnen und - immer mit Blick auf die Qualität - gute Material veröffentlichen. ePubbing ist auch hervorragend geeignet zum Testen von Themen und Leserresonanzen. Allerdings muss die/der Autor/in darauf achten, dass ihre/seine Experimente keine negative Rückwirkung auf bereits veröffentlichte Bücher haben bzw. den Autorennamen beschädigen. Da kann ein Pseudonym hilfreich sein.

    AntwortenLöschen
  15. Das ist absolut richtig. Schon auf Rücksicht auf die Verlage, in denen ich veröffentliche, würde ich ein Pseudonym wählen, wenn auch ein offenes, über das jeder Bescheid wissen darf. Dies ist ja generell sinnvoll, wenn man in sehr verschiedenen Genres veröffentlicht.
    Das ePubbing kann durchaus die Vielfalt des Buchmarktes stärken, aber, wie so oft schon erwähnt, immer im Hinblick auf Qualität. Die Leser erkennen selbige, wie ich finde, recht schnell. Das kann man ihnen durchaus zutrauen.

    AntwortenLöschen
  16. Lieber Max,

    soweit ich mich erinnere sind wir beide uns bislang weder "physisch" noch "virtuell über
    den Weg gelaufen.
    Ich will hier die Diskussion auch gar nicht mit einem übermäßig langen Beitrag bereichen.
    Die meisten relevanten Themen sind hier ja bereits angesprochen worden.
    Ich will hier nur zwei Dinge klarmachen: Holger, den ich durchaus schätze und ein ganz klein wenig auch zumindest „virtuell“ kenne, hat meiner Meinung nach absolut recht, wenn er in seinem Kommentar hier darauf pocht, dass abwertende Pauschalisierungen von Selbstpublishern doch wohl eher kontraproduktiv sind.
    Zumal bereits einige Beispiele von erfolgreichen selbstpublizierten deutschen Genretiteln auf Amazon und bei Apple existieren.
    Holger hat auch recht, wenn er ausführt, dass im Netz Tante Emmas Strickratgeber neben dem von Verlag xyz rangiert, und sich dort nicht mehr so sehr die Verlage als Gamekeeper gerieren, sondern der Leser mit seiner Kaufentscheidung und durch seine Rezensionen die Spreu vom Weizen trennt.
    Zugegeben: ich habe meine Titel auch unter Pseudonym veröffentlicht, allerdings war das eher der Tatsache geschuldet, dass ich meine Arbeit als Journalist und Kritiker deutlich von der als Autor getrennt halten wollte.
    Es hat und hatte nie etwas damit zu tun mich zu verstecken.
    Ich will daher hier noch einmal klar hervorheben: dass ich ein Pseudonym wählte, hatte nichts damit zu tun, dass ich etwa von einer gewissen Scham als „Selbstpublizierer“ betracht zu werden, dazu getrieben wurde.
    Ich stehe hinter meinen Prosa -Arbeiten. Und ich stehe hinter meiner Rolle als Selbstpublizierer – wenn Du lieber Max, es vorziehen magst mich als ePubber zu bezeichnen – so bei it

    …womöglich setzt sich das ja sogar als Brand durch. Wie bei jedem Brand käme es auch in diesem Fall darauf an, dieses Label mit Inhalten zu füllen.
    Ich bin recht zuversichtlich, dass ich dem Brand ePubber mit meinen Arbeiten bislang keine allzu große Schande gemacht habe.

    Liebe Grüße und die besten Wünsche für Deine weiteren Arbeiten und Projekte David Gray

    AntwortenLöschen